Das Paradoxon des Schalls in Konzertsälen kann Klangwunder in akustische Katastrophen verwandeln.

Viel wurde seit der Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie – eines der meist beachteten neuen Konzertsäle der letzten Jahre – über ihre angeblich besten Akustik gesprochen. Als „akustisches Wunder“ wurde die Elbphilharmonie nach ihrer Eröffnung vor inzwischen gut drei Jahren gefeiert.

Doch seit Januar 2019, nach einem Konzertabend mit Star-Tenor Jonas Kaufmann, sind hitzige Debatten und Zweifel aufgekommen. [1]

Elbphilharmonie Hamburg (c) Robert Katzki (@ro_ka), licensed under the create commons license
Elbphilharmonie Hamburg (c) Robert Katzki (@ro_ka), lizensiert nach der create commons license

Was war passiert?

Während der Vorstellung verließen einige Zuschauer verärgert ihre Plätze. Sie konnten die Musik und den Gesang Kaufmanns einfach nicht gut hören. Dabei gilt Kaufmann als einer der zurzeit weltbesten Tenöre und war in Topform. Auch Jonas Kaufmann selbst kritisierte die Akustik des Hauses im Anschluss. Andere weltberühmte Musikerinnen und Musiker hingegen loben die Akustik außerordentlich. Woran liegt’s? Hat sich der Mythos von der idealen Akustik in Luft aufgelöst?

Wir waren in der Elbphilharmonie.

Und wir haben ein subjektives Hörerlebnis genossen. Der große Saal klingt wirklich großartig. Aber …

Eine „ideale Akustik“ im traditionellen Sinne, das heißt mit bauphysikalischen Mitteln, kann es nicht geben.

Die Nutzungspriorität eines Konzertsaals ist der Schlüssel zu seiner jeweiligen physikalisch-akustischen Auslegung und Ausstattung. Soll ein Saal beispielsweise vor allem für Symphoniekonzerte optimal klingen, kann er für ein Kammerorchester bereits eine akustische Hürde bedeuten. Jazz-Ensembles oder eine Heavy Metal Band werden sich meist andere Orte suchen.

Die akustische Qualität eines Konzertsaals ist ein komplexes Puzzle aus physikalischen Aspekten, die den Klang beeinflussen.

Wer die Akustik eine Klangraums mit „herkömmlichen“ Mitteln plant – also mit physikalischen, architektonischen und baulichen Parametern (Raumkubatur und -geometrie, verwendete Materialien, Applikationen, Einsatz von speziellen Akustikpaneelen, u.a.) stellt die zukünftige Kernnutzung ins Zentrum seiner Überlegungen und Berechnungen.

Ist dieses Layout einmal festgelegt, kann die Saalakustik wie eine wunderbare Geige einen ganz besonderen Charakter entfalten. Und, je nach Expertise, verblüffende Ergebnisse erzielen.

Antonio Stradivari’s “Antonius” violin (1711) (c) Metropolitan Museum of Art, licensed under the create commons license
Antonio Stradivaris “Antonius” Violine (1711) (c) Metropolitan Museum of Art, lizensiert nach der create commons license

Eine Stradivari eignet sich am besten für ein Violinkonzert.

Aber für Hip-Hop oder elektronische Musik ist sie meist eher ungeeignet. So ist es auch mit der natürlichen Raumakustik: wenn sie für große Sinfoniekonzerte optimiert ist, klingt der Konzertsaal brillant. Wenn im gleichen Saal Jazz, ein Liederabend oder Avantgarde des 21. Jahrhunderts erklingt, kann es in einer klanglichen Enttäuschung enden.

Denn – traditionelle Säle lassen sich nicht auf Knopfdruck ändern.

Einmal nach traditionellen Maßstäben errichtet, ist das klangliche Bild eines Saals fix in Stein gemeißelt. Den „einen Raum für alles“, mit optimaler Akustik für alle Musikstile und Veranstaltungsformate, gibt es nach dem herkömmlichen, bauphysikalischen Ansatz nicht. Das schränkt die Nutzungsbandbreite eines Konzertsaals natürlich sehr ein.

Hier kommt die adaptive Akustik ins Spiel

Deshalb setzen wir bei LiMES auf einen elektro-akustisch erzeugten und digital steuerbaren Raumklang, der die unveränderlichen Akustiken der traditionellen Säle ersetzt. Mit einem solchen dyanmischen System lässt sich die wahrgenommene Raumakustik eines Veranstaltungsortes an die jeweilige künstlerische Situation und Nutzung anpassen. Ohne Kompromisse. Auf Knopfdruck.

Der Saal wird akustisch flexibel.

Dafür wird die natürliche Raumakustik auf ein Minimum reduziert. Der mikrofonierte Bühnenraum speist die Beschallungsanlage mit akustischen Live-Informationen, die auf dem Weg zum Publikum in real-time kontrolliert, verändert und bearbeitet werden können. Eine Vielzahl an Lautsprechern, nicht sichtbar im Saal verteilt, liefern einen kristallklaren, natürlichen Klang auf Weltklasse-Niveau an die Ohren der Zuhörer.

Auf diese Weise können wir mehrere akustische Umgebungen in ein und demselben Saal realisieren, angepasst an die Wünsche der Künstler oder an den spezifischen Veranstaltungsinhalt. Ob Kirchen- oder Studioakustik, Jazzclub-Atmosphäre oder ganz eigene, phantasievolle Klangbilder. Der Saal kann das gesamte Veranstaltungsspektrum eines Mehrzweck-Veranstaltungssaals in durchgehend höchster Klangqualität bedienen.

Heinrich Schläfer, CTO & Mitbegründer von LiMES

Die Akustik wird immersiv.

Eine steuerbare Raumakustik kann nun auch szenisch und dramaturgisch eingesetzt werden und sogar während einer Aufführung für unterschiedliche Stimmungen und Klangfarben im Saal sorgen. Oder auch mit einem wechselndes Bühnenbild korrespondieren. Die sogenannte immersive Raumakustik entsteht.

Mit anderen Worten: Perfekter Klang für jedes Live-Veranstaltungsformat an jedem Sitzplatz. Probleme wie in der Elbphilharmonie entfallen. Es mag einfach klingen. Tatsächlich steckt dahinter eine hochkomplexe Technik. Aber sie funktioniert.

REFERENZEN: 1] https://www.br-klassik.de/elbphilharmonie-akustik-kritik-mischke-joachim-100.html, 29.01.2019 von Hasselbeck, Kathrin